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Die Stasi und der Westen: Der Fall Kurras von Sven Felix Kellerhoff

Gebundene Ausgabe von Hoffmann und Campe
Preis bei Amazon: EUR 23,00, Angebote ab EUR 7,00

2 Punkte.
2 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3455501451, Erscheinungsdatum: Februar 2010
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Eine Kundenrezension:

Erfüllt nicht die eigenen Anforderungen
2 Punkte 2 von 5 Punkten
Der 2. Juni 1967 machte gleich doppelt Geschichte. Einmal, weil der Polizist Kurras an diesem Tag einen Demonstranten erschoss, zum anderen dadurch, dass selbiger Kurras ein Informant der DDR Staatsicherheit war: der Stasi.

Kellerhoff will mit seinem Buch die Geschichte Kurras schildern, zum anderen daran erinnern, wie viele Agenten der Stasi auch im Westen aktiv waren. Dazu erzählt er die Ereignisse rund um den 2. Juni ausführlich, liefert eine Biografie des Täters Kurras und dessen Stasi-Karriere und eine Übersicht über einige andere bekannte Aktionen und Agenten der Stasi im Westen.

Im ersten Teil rund um die Ereignisse des 2. Juni beherzigt der Autor die nötige Trennung zwischen Tatsachen und Meinung, schildert auch Ereignisse, die seiner eigenen Einschätzung widersprechen. Tatsächlich schält sich heraus, dass Westberlin 1967 beileibe kein faschistisches oder präfaschistisches System war, der Senat nicht vorhatte die Studenten auszurotten. Allerdings sprechen die Zitate, die das Buch anführt, von extremer Obrigkeitshörigkeit und davon, dass Senat, Presse und Polizei durchaus anfänglich versuchten, die völlig unangemessenen Polizeieinsätze zu rechtfertigen und die Schuld an Ohnesorgs Tod der APO in die Schuhe zu schieben.

So forderte die Gewerkschaft der Polizei "vom Kurs der weichen Welle bei der Behandlung dieser Kriminellen abzugehen." und auch mancher Journalist stellte sich hinter diese Forderungen. "Wer Terror produziert, muss Härte in Kauf nehmen", rechtfertigte die BZ die Polizeieinsätze und die Berliner Morgenpost den tödlichen Schuss mit "Notwehr" und forderten in Zukunft noch brutalere Einsätze.

Bald jedoch stellte sich die Wahrheit heraus. Die Versuche, Kurras rein zu waschen, scheiterten. Der Berliner Senat setzte einen Untersuchungsausschuss ein, der feststellte, dass der Polizeieinsatz völlig überzogen war, der Staatsanwalt klagte Kurras wegen des Todesschusses an. Der allerdings wurde freigesprochen, kam nie in Untersuchungshaft. Von einer konzertierten Aktion der Staatsmacht gegen die Studenten kann man nach den vorliegenden Tatsachen nicht sprechen, wohl aber davon, dass große Teile der Polizei und der Presse "ihren" Polizisten in Schutz nahmen und nehmen wollten.

Die Richter sprachen frei, die Presse lobte den Freispruch. In dubio pro reo, allerdings waren damals andere Urteile und Gerichte gegenüber Angeklagten längst nicht so nachsichtig. Fritz Teufel saß 11 Monate in Untersuchungshaft wegen eines angeblichen Steinwurfs bei der Demonstration. Die Justiz der Sechziger Jahre war ein Rechtsstaat, aber einer, der auf dem linken Auge sehr scharf sah, auf dem rechten gern mildtätig die Augen schloss.

Für eine "faschistischen" Justiz gibt es allerdings keine Belege. Nicht nur im Kurras Prozess ermittelten Staatsanwälte, auch in zahlreichen NS Prozessen der Zeit gab es durchaus Juristen, die die Täter wegen ihrer Taten belangen wollten - oft aber ohne Erfolg, weil Gerichte sie gerne mit fadenscheinigen Ausreden laufen ließen. Einer, der diese bittere Erfahrung machen musste, war Horst Herold, der spätere BKA Chef. Der bemühte sich, Nürnberger Nazis, die an der Vernichtung der Nürnberger Juden maßgeblich beteiligt waren, hinter Schloss und Riegel zu bringen - vergeblich.

So sehe ich in Kellerhoffs detaillierten Schilderungen keinen Raum für seine Schlussfolgerungen, es habe nie einen Versuch der Verschleierung gegeben und auch seine Behauptung, die Justiz sei völlig unabhängig gewesen, lässt Zweifel aufkommen, wieweit der Autor hier nicht einem Wunschbild aufsitzt. Und dass er die Aktionen der Polizei und des Senats immer als Unvermögen, die der Studenten aber als geplante Irreführung darstellt, weckt natürlich Bedenken gegen das Buch. Seltsam mutet an, was Kellerhoff verschweigt. Dass zum Beispiel der Berliner Polizeichef Erich Duensig seine ersten Sporen bei Hitlers Partisanenbekämpfung verdiente, fällt bei ihm unter dem Tisch. Warum? Weil es seine Thesen gefährden könnte?

Der zweite Teil schildert den Menschen Kurras, seine Karriere in Ost und West. Ganz zweifelsohne war Kurras das Musterbild des autoritätsgläubigen Deutschen, zweifellos hasste er die demonstrierenden Studenten. Nur dass er eben nicht auf der Seite der Bundesrepublik stand, sondern auf der der DDR. Geplant war der Schuss von der Stasi aber keineswegs. Und dass es ohne Kurras` Todesschuss kein 1968 in Deutschland gegeben hätte, klingt recht unwahrscheinlich. Schließlich erlebten alle westlichen Staaten ihr 68, zum Teil weit heftiger als Deutschland und selbst von den Satellitenstaaten der Sowjetunion gab es nur einen, an dem 68 vorbeiging: Die DDR. Aber wünschen wir uns wirklich die DDR ohne 68 als Vorbild?

Der dritte Teil listete einige der bekannteren Agenten der Stasi im Westen auf. Leider trennt hier der Autor nicht mehr zwischen Meinung und Tatsachen und beherzigt nicht, was er im Anhang schreibt: "Andererseits erlegt die Beschäftigung mit Zeitzeugen dem Historiker zusätzliche Lasten auf. Sie sind keineswegs objektiv."

Dass auch die Stasi keineswegs objektiv war, zeigt das Buch am Beispiel Gerhard Löwenthals. Trotz aufwändiger Suche fanden sich nie irgendwelche Dinge, mit deren Hilfe das MfS ihm eine "Nazi-Vergangenheit" anhängen konnte. Als Löwenthal 1987 die Leitung des ZDF Journals abgab, meldete sie dann, vermutlich als Trost, dieses Ereignis als "Erfolg" der eigenen Bemühungen. In Wirklichkeit war Löwenthal wegen Erreichung der Altersgrenze pensioniert worden und die Stasi hatte damit nichts, aber auch gar nichts zu tun.

Auch andere Ereignisse, die die Stasi intern als Erfolg verbuchte, klingen sehr zweifelhaft, werden aber vom Autor ungeprüft als Wahrheit übernommen. Den Slogan "Wer hat uns verraten - Sozialdemokraten" sei der westdeutschen Linken von der DDR vermittelt worden. Den Slogan gab es allerdings seit den Zwanziger Jahren, er ließ sich herrlich skandieren und entsprach so gut den Vorstellungen vieler Studenten, dass es wohl kaum der DDR bedurfte, ihn populär zu machen.

Gegen Springer ritt die DDR in ihrem Zentralorgan "Neues Deutschland" immer wieder heftige Angriffe. Aber hieß das, dass die Anti-Springer Kampagnen 67/68 von der DDR initiiert worden waren, wie das Buch behauptet? Der Hass der Studenten auf Springer war so groß, dass die DDR wohl eher unschuldig war. Selbst wenn Ulbricht und Springer Bruderküsse ausgetauscht hätten, an den studentischen Kampagnen hätte sich kaum etwas geändert. "Enteignet Springer", dieses Schlagwort hätten die Studenten so oder so skandiert.

Noch ein weiteres Beispiel, wie fahrlässig Kellerhoff mit den Zeitzeugen-Dokumenten der Stasi umgeht. "Im direkten Auftrag der Stasi bewegte Porst den FDP Chef [Erich Mende], nach dem Rücktritt Konrad Adenauers als Minister für gesamtdeutsche Fragen und Vizekanzler in die neue Bundesregierung einzutreten" heißt es im Buch. Über den "schönen Erich", wie Mende im Volksmund genannt wurde, hieß es, er lasse sich jeden Morgen von seiner Frau mit den Worten wecken: "Aufstehen, Erich, Karriere machen!" Ziemlich unwahrscheinlich, dass es der Nachhilfe der Stasi bedurfte, dass er ein Ministeramt übernahm. Auch die Hoffnung der DDR, er werde sich für Entspannung einsetzen, bewahrheitete sich nicht. Als Gegner der Entspannungspolitik trat Mende 1970 zur CDU über. Nicht jede Äußerung der Genossen der VEB "Horch und Späh" sollte man unbesehen glauben, auch wenn sie so wunderbar in die Weltanschauung des Autors passen.

Generell nimmt der Autor alles als wahr an, was die Stasi so als Erfolg feierte. Obendrein ist jeder Entspannungspolitiker entweder ein bewusster oder unbewusster Agent Ostberlins. Und wenn das "Neue Deutschland" einen Artikel über ein Thema schreibt, dann sind alle, die das gleiche Thema behandeln, von der DDR manipuliert worden. So "beweist" der Autor seine Behauptung, die Proteste gegen die Notstandsgesetze seien von der DDR gesteuert worden, damit, dass es zahlreiche Artikel zu den Notstandsgesetzen in der DDR Presse gab. Auch nicht überzeugender als die Behauptung, die Bundesrepublik sei ein faschistischer Staat gewesen, weil zahlreiche alte Faschisten dort in Amt und Würden gesessen hätten.

Dabei wären die Geschichten der Agenten, die er vorstellt, von Porst über Barthel vom Extradienst - der diente praktischerweise gleich zwei Herren, der Stasi und dem Verfassungsschutz - bis hin zu den RAF-Connections nun wirklich wert, sie genauso sorgfältig zu schildern, wie die Kurrasgeschichte. Und die Überlegung, was wäre gewesen, wenn?, wäre in solchen Fällen bitter nötig. Was wäre gewesen, wenn Kurras Agententätigkeit dem Gericht bekannt geworden wäre? Wäre er verurteilt worden, möglicherweise sogar wegen Mordes? Hätte es eine Bewegung 2. Juni gegeben?

Doch alternative Geschichte ist unter deutschen Historikern leider schlecht angesehen. Die angelsächsischen Kollegen sehen das anders.

"Die Stasi und der Westen" ist jedenfalls ein schillerndes Buch. Die Teile über den 2. Juni und die Person Kurras glänzen durch eine - mit Ausnahmen - ausführliche Darlegung der Tatsachen, auch wenn manche Schlussfolgerung des Autors fragwürdig erscheinen. Der dritte Teil dagegen übernimmt Stasi Erfolgsmeldungen ungeprüft, arbeitet mit fragwürdigen Unterstellungen und trennt nicht zwischen Tatsachen und Meinungen. Er liest sich wie eine Desinformationskampagne und wäre ein gutes Beispiel, wie man Meinung manipuliert. Schließlich hat nicht nur die Stasi von solchen Methoden reichlich Gebrauch gemacht.

Hans Peter Roentgen
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Produkt-Bild: Der Reichstagsbrand: Die Karriere eines Kriminalfalls

Der Reichstagsbrand: Die Karriere eines Kriminalfalls von Sven Felix Kellerhoff

Broschiert von be.bra verlag
Preis bei Amazon: EUR 14,90, Angebote ab EUR 7,44

2,5 Punkte.
2,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3898090787, Erscheinungsdatum: Januar 2008, Auflage: 1
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2 Kundenrezensionen:

Das Buch ist eine Schande
1 Punkte 1 von 5 Punkten
Dieses Buch ist ein Witz und es mag Zufall sein, dass es rechtzeitig zum Erscheinen des Buches "Der Reichstagsbrand" von Bahar und Kugel herauskam. Ich glaube eher, dass es ein schnell zusammengeschustertes Provisorium ist, dass die These von der Täterschaft der Nazis widerlegen soll, und damit auf die Theorien von Bahar und Kugel gegenwirken soll.

Immer noch ist der Reichstagsbrand ein Politikum, dessen wahre Hintergründe verschleiert bleiben müssen.
Zu viel Unangenehmes würde sich nur verbreiten. Die Bürger könnten ins Grübeln kommen. Der Reichstagsbrand ist das klassische Beispiel dafür,
wie Machteliten einen Terroranschlag inszenieren, um dann anschließend in einem Rundumschlag "gegen
den Terror" sämtliche Bürgerrechte ausschalten und die Herrschaft an sich reißen. Das Versagen der Medien, oder
besser: das Mitspielen der Medien in einer groß angelegten Manipulation und Propagandamaschine ist ein
Teil des Ablaufs.

Dieses Buch hier ist nur ein weiterer Baustein zur Verschleierung der Wahrheit, bzw. zum Verbreiten der Lüge, Marinus Van der Lubbe habe den Brand alleine gelegt. Rein physikalisch war er dazu gar nicht in der Lage. Die vorgebrachte "Backdraft-Theorie" ist an Lächerlichkeit nicht mehr zu überbieten und genauso schundhaft wie all die offiziellen Erklärungen zum 11. September. Man darf nicht alles glauben, nur weil ein
"Wissenschaftler" es behauptet.

Ruhe weiter sanft, wer diesem Buch Gehör schenken will.
Klarheit in der Debatte
4 Punkte 4 von 5 Punkten
Ziemlich interessantes Sachbuch, was noch einemal die ganze Debatte um den Reichstagsbrand aufrollt. Wer im Zuge der Berichterstattung über den Brand Klarheit braucht, findet hier Antworten. Auch sehr eindrucksvoll: Bilder von den Löscharbeiten zeigen wie z.B. wie riesige Feuerwehrschläuche in die Gänge des Reichstages gehen. Fazit: gutes und verständliches Buch zum Thema!
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Produkt-Bild: Die Fluchttunnel von Berlin

Die Fluchttunnel von Berlin von Dietmar Arnold, Sven Felix Kellerhoff

Gebundene Ausgabe von Propylen-Verlag
Preis bei Amazon: EUR 19,90, Angebote ab EUR 7,95

5 Punkte, sehr zu empfehlen!
5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3549073410, Erscheinungsdatum: Sept. 2008
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Eine Kundenrezension:

Die Fluchttunnel von Berlin
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Ein exzellentes Buch. Faktenreich. Hintergründe. Angaben zu weiterführendem Material. Besser geht es nicht.

Werner Kließ
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Produkt-Bild: Die Fluchttunnel von Berlin

Die Fluchttunnel von Berlin von Dietmar Arnold, Sven Felix Kellerhoff

Broschiert von List Tb.
Preis bei Amazon: EUR 8,95, Angebote ab EUR 3,34

5 Punkte, sehr zu empfehlen!
5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3548609341, Erscheinungsdatum: November 2009
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Eine Kundenrezension:

Die Fluchttunnel von Berlin
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Ein exzellentes Buch. Faktenreich. Hintergründe. Angaben zu weiterführendem Material. Besser geht es nicht.

Werner Kließ
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Produkt-Bild: 40 Jahre 1968: Alte und neue Mythen - Eine Streitschrift

40 Jahre 1968: Alte und neue Mythen - Eine Streitschrift von Dieter Althaus, Ernst Benda, Michael Borchard, Stephan Eisel, Jörg-Dieter Gauger, Wolfgang von Geldern, Rudolf van Hüllen, Hans-Ulrich Jörges, Sven Felix Kellerhoff, Gerd Langguth, Polenz Ruprecht, Wulf Schönbohm, Richard Schröder, Manfred Wilke

Taschenbuch von Verlag Herder
Preis bei Amazon: EUR 14,00, Angebote ab EUR 5,23

ISBN: 3451302004, Erscheinungsdatum: Dezember 2008, Auflage: 1
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Produkt-Bild: Gerüchte machen Geschichte. Folgenreiche Falschmeldungen im 20. Jahrhundert

Gerüchte machen Geschichte. Folgenreiche Falschmeldungen im 20. Jahrhundert von Lars-Broder Keil, Sven Felix Kellerhoff

Broschiert von Ch. Links Verlag
Preis bei Amazon: EUR 16,90, Angebote ab EUR 12,91

5 Punkte, sehr zu empfehlen!
5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3861533863, Erscheinungsdatum: März 2006, Auflage: 1., Auflage
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Eine Kundenrezension:

Echte Krimis
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Ein Gerücht ist eine umlaufende Information aus unbekannter Quelle mit Hochkonjunktur in unsicheren Zeiten und nicht selten als "Ersatzöffentlichkeit" dienend. Ein Gerücht ist etwas, das man glauben möchte. Da werden Dinge gedeutet, gutgläubig veröffentlicht oder bewusst manipuliert. Da wird aus einem "vermutlich" ein "sicher". Im Kleinen bedeutet das: man wusste ja schon immer, dass die Meiern was mit dem Schulze hatte und dass Lehmann im Kaufhaus stiehlt. Doch müssen Gerüchte unbedingt Gegenstand eines Sachbuches sein? Auf jeden Fall. Denn die elf Fälle, die Keil und Kellerhoff in "Gerüchte machen Geschichte" zusammengetragen haben, bewegen sich "im Spannungsfeld zwischen Politik, Medien und Öffentlichkeit" und sind ? im Gegensatz zu den Gerüchten über Meier, Schulze und Lehmann - "von zentraler Bedeutung für Deutschland", weil sie "zu einem politisch wichtigen Ereignis führten", wie das Vorwort darlegt. Weil sie eben "Geschichte machten".

Während die Einleitung noch staubtrocken wie eine Dissertation klingt, lesen sich die Fallbeispiele wie echte Krimis und schlagen den Bogen chronologisch von 1914 bis 1999. Wer ahnt schon, dass Gerüchte die Machtübernahme Hitlers begünstigten oder etwa die Nachkriegsordnung in Deutschland beeinflussten. Es gibt bewusst gestreute Gerüchte wie jenes von den von Amerikanern über der DDR abgeworfenen Kartoffelkäfern (diese Geschichte wird auch auf dem Titelbild aufgegriffen) und zufällig entstehende wie jenes vom belgischen Guerillakrieg 1914.

Die Methodik der Autoren ist stets die gleiche: zunächst wird die Geschichte so geschildert, wie sie sich zum Zeitpunkt ihres Geschehens der Öffentlichkeit präsentierte. Dann wird auf historische Hintergründe eingegangen, um dann konsequent und detailliert die Tatsachen zu sezieren und darzulegen, was das Gerücht schließlich bewirkte, den historischen Kontext also.

Mag man über die Gerüchte aus der Zeit der Weltkriege und der Hochzeit des Kalten Krieges noch den Kopf schütteln darüber, wie "so etwas" nur passieren kann, so geben gerade die letzten drei Fälle Aufschluss über das Empfinden von Involvierten.

Haben sich im Kosovo-Krieg nicht die meisten gegen die Serben gestellt und die Luftangriffe 1999 nach dem Auftauchen geheimer Pläne toleriert, selbst die grünen Pazifisten? Und wie haben Sie die Nachrichten am 9. November 1989 über die Maueröffnung gedeutet? (Hier wurden die Nachrichten einschließlich die der seriösen "Tagesthemen" erst hinterher legitimiert, sozusagen als sich selbst erfüllende Prophezeiungen; Nachrichten, die eine Dynamik erzeugten, welche Tatsachen schaffte und Deutschland zweifelsohne veränderte). Und haben nicht alle kritischen Geister in den 80ern an die wissenschaftliche Fundierung des Waldsterbens geglaubt? Nach den damaligen Berechnungen hätten zur Jahrtausendwende die letzten deutschen Wälder verschwinden müssen.

Gerade die letzten beiden Beispiele zeigen jedoch, dass Gerüchte auch Gutes bewirken können und wie machtvoll sie sind. Sie lassen Mauern brechen und sorgen für eine bessere Lebensqualität für alle durch strengere Umweltgesetze. Fast ist es schon unangenehm, daran zu erinnern, dass es sich bei den Auslösern auch hier trotzdem "nur" um Gerüchte handelte.

Ich habe selten ein spannenderes Sachbuch gelesen, das bei allem seriösen Anspruch doch auch sehr unterhaltsam und kurzweilig ist. Die Arbeit der beiden Autoren kann man als akribisch und lückenlos fundiert bezeichnen, was schon der Blick in das 27seitige Quellenverzeichnis nahelegt. Wo Erkenntnisse nicht gesichert sind, wird dies ausdrücklich benannt. Denn eines wollten und mussten Keil und Kellerhoff auf jeden Fall vermeiden: dass nämlich der Eindruck entsteht, auch sie könnten bei ihren Recherchen Gerüchten aufgesessen sein.
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Produkt-Bild: RAF: Wissen was stimmt: Was stimmt? Die wichtigsten Antworten (HERDER spektrum)

RAF: Wissen was stimmt: Was stimmt? Die wichtigsten Antworten (HERDER spektrum) von Sven Felix Kellerhoff

Taschenbuch von Verlag Herder
Preis bei Amazon: EUR 7,90, Angebote ab EUR 1,93

3 Punkte.
3 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3451057719, Erscheinungsdatum: August 2007, Auflage: 1
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5 Kundenrezensionen:

Zu einseitig
1 Punkte 1 von 5 Punkten
Die Darstellung der Ereignisse ist sehr einseitig und dogmatisch. Dazu kommt, dass die meisten Thesen leider nicht durch Fakten belegt werden. Das Buch schildert ausschliesslich die Meinung des Autors und besteht im Wesentlichen aus Passagen, die nicht sorgfaeltig recherchiert erscheinen. Jeder, der die bei weitem besseren Werke wie Austs "Baader-Meinhof-Komplex" oder Peters "Toedlicher Irrtum" gelesen hat, haette ein besseres und objektiveres Buch schreiben koennen. Nicht zu empfehlen.
guter Überblick- sehr meinungslastig
3 Punkte 3 von 5 Punkten
Das Buch stellt einen guten Überblick über die Geschichte dar. Kellerhoff arbeitet für den Springerverlag, der damals ein Feind der Studentenbewegung war. Er schwächt vergangene und heutige Missstände ab.
Antworten????
1 Punkte 1 von 5 Punkten
Wer nach Antworten zum Thema RAF sucht wird hier keine finden, zumindest keine die mit Fakten belegt sind. Der Autor scheint hier vor allem seine eigene Meinung zu vertreten. Historiker sollten meines Erachtens neutral und sachlich bleiben.
Zum Thema wurde anscheinend null recherchiert.
Das wenige was das Buche an Fakten zu bietet hat ist mehr oder weniger aus anderen Büchern abgeschrieben.
Kurz, teilweise leider zu kurz!
3 Punkte 3 von 5 Punkten
Alles in allem eine recht gelungene Zusammenfassung. Die Anfänge allerdings, z.B. die Erschießung von Benno Ohnesorg, welche eine wesentliche Rolle spielte, wird leider zu kurz behandelt. Daher erscheint es, als wenn die RAF plötzlich aus dem Hut von Andreas Baader (?) gezaubert wurde. Schade!
sowas kann nur von der Springerpresse kommen...
1 Punkte 1 von 5 Punkten
Als ich mir dieses Buch kaufte tat ich dies in der Hoffnung, hier ein kontroverses Nachschlagewerk gefunden zu haben. Ich hätte es eigentlich besser wissen müssen. Allein schon der Untertitel "Was stimmt" spricht für sich: Die Arrogganz, mit der der Autor seine sichtweisen als das darstellt, was gfälligst als Bare Münze genommen werden soll, und die schon in diesen zwei Worten erkennbar ist, zieht sich wie ein Roter Faden durch das ganze Buch.

In -zugegeben- besten Journalistendeutsch formuliert er seine Behauptungen, und zwar auf derart manipulative art und weise, dass dem Leser erst auf den zweiten Blick auffällt, dass er diese Behauptungen durch keinerlei Fakten unterstreichen kann.

In diesem Schreibstil bezichtigt er neben der RAF die gesamte Protestbewegung der Paranoia, stellt die Missstände der Gesellschaft, die durch diese Bewegung ans Tageslicht gekommen sind als Hirngespinst dar und präsentiert den damals eben noch nicht völlig freiheitlich demokratischen Staat bar jeder mittlerweile auch weitgehenden annerkannten realität als reines opfer.

Die weit brachialer formulierten öffentlichen Hasstiraden der springerpresse, die erheblich zur Eskalation der damaligen konflikte beitrugen erwähnt er dabei so gut wie garnicht- klar, denn als Mitarbeiter des springerblattes DIE WELT will er natürlich nicht sein eigenes Nest beschmutzen.

in meinen augen ist dieses Buch nichts als ein neokonservatives propagandistisches Machwerk, von einem Kauf ist abzuraten.
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Berlin unterm Hakenkreuz von Sven Felix Kellerhoff

Broschiert von berlin edition im be.bra verlag
Preis bei Amazon: EUR 9,90, Angebote ab EUR 5,90

5 Punkte, sehr zu empfehlen!
5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3814801474, Erscheinungsdatum: Februar 2006, Auflage: 1., Aufl.
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Eine Kundenrezension:

Wichtige Quelle zur Architekturgeschichte Berlins von 1933-1945
5 Punkte 5 von 5 Punkten
Neben den bereits erschienen Büchern "Berlin 1933-1934" und "Architektur in Berlin 1933-1945" ist das interessante Buch "Berlin unterm Hakenkreuz" eine wertvolle Ergänzung.
Bemerkungswert sind die seltenen, teilweise bislang unveröffentlichen Fotografien und eine Liste der wichtigsten Dienst-Gebäude, welche in der Zeit des Dritten Reiches in der Hauptstadt entstanden.
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Produkt-Bild: Archive und Medien: Vorträge des 69. Südwestdeutschen Archivtags am 20. Juni 2009 in Münsingen. Sonderveröffentlichungen des Landesarchivs Baden-Württemberg

Archive und Medien: Vorträge des 69. Südwestdeutschen Archivtags am 20. Juni 2009 in Münsingen. Sonderveröffentlichungen des Landesarchivs Baden-Württemberg von Thomas Faltin, Peter Haber, Sven Felix Kellerhoff, Edgar Lersch, Jürgen Lotterer, Peter Müller

Broschiert von Kohlhammer
Preis bei Amazon: EUR 12,00

ISBN: 3170214802, Erscheinungsdatum: April 2010
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Produkt-Bild: Hitlers Berlin: Geschichte einer Hassliebe

Hitlers Berlin: Geschichte einer Hassliebe von Sven Felix Kellerhoff

Gebundene Ausgabe von Bebra
Preis bei Amazon: EUR 19,90, Angebote ab EUR 7,77

4 Punkte, empfehlenswert.
4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung)
ISBN: 3898090612, Erscheinungsdatum: Januar 2005, Auflage: 1., Aufl.
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2 Kundenrezensionen:

Aufschlussreich
4 Punkte 4 von 5 Punkten
Mit Hilters erstem, kurzem Berlin-Besuch 1916 fing es an - und reichte bis zu seinen letzten Tagen im Führerbunker im Mai 1945: sein ambivalentes Verhältnis zur Reichshauptstadt. Verblüfft hat mich Kellerhoffs Darstellung, dass die Berliner Bevölkerung ihrem "Führer" gegenüber gar nicht so kritisch-distanziert eingestellt war, wie es immer wieder in anderen Quellen behauptet hat. Indem er Hitlers Aufenthalte in Berlin akribisch recherchiert hat, gelingt dem Autor eine faszinierende Darstellung eines Themas, von dem ich es zuvor gar nicht für möglich gehalten hätte, dass es für ein eigenes Buch taugt. Kellerhoff aber beweist das Gegenteil. Eine sehr aufschlussreiche Lektüre!
Überraschende Lücke gefüllt
4 Punkte 4 von 5 Punkten
Mag mag es kaum glauben: Unter den Zehntausenden Büchern, die über den Nationalsozialismus erschienen sind, gab es bislang keines, das sich dem speziellen Verhältnis von Hitler zu Berlin und von den Berlinern zu Hitler gewidmet hat. Diese Lücke hat Sven Felix Kellerhoff mit seinem Buch eindrucksvoll gefüllt. Der Autor kommt nach umfangreichen Recherchen zu dem Schluß, daß Hitler ein sehr ambivalentes Verhältnis zur Reichshauptstadt hatte, die er 1916 zum ersten Mal besuchte. Er konnte sie über den Klee loben und attraktiv finden, um sie wenig später als schrecklichen Moloch zu beschimpfen. Hitler wußte, daß er die Berlin für seine politischen Pläne brauchte, entzog sich aber zugleich konsequent dem großstädtischen Leben mit seinen Theatern, Kneipen und Flaniermeilen.
Kellerhoff räumt in seinem Buch auch mit Legenden auf. Anders als in der öffentlichen Wahrnehmung war Hitler während seiner Amtszeit in keiner Stadt so häufig wie in Berlin - nämlich jeden dritten Tag. Und: Die Berliner waren nicht so distanziert gegenüber dem "Führer" wie es nach dem Krieg häufig behauptet wurde. Wurde die NSDAP bei den Kommunalwahlen 1925 im Stadtteil Spandau lediglich von knapp 130 Stimmberechtigten gewählt, waren es nur acht Jahre später, im Frühjahr 1933, in ganz Berlin schon fast eine Million Wähler.
Bei vielen Büchern, die in diesen Tagen zur NS-Zeit erscheinen, wird versucht, mit reißerischen Titeln und Thesen für Aufmerksamkeit zu sorgen. Kellerhoff setzt dagegen auf eine seriöse Vorgehensweise und überdies auf eine gut lesbare Darstellung.
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