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Hitlers Eliten nach 1945: Das Buch zur ARD-Fernsehserie von Norbert FreiTaschenbuch von Deutscher Taschenbuch VerlagPreis bei Amazon: EUR 9,90, Angebote ab EUR 3,80 ![]() 5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3423340452, Erscheinungsdatum: Dezember 2003 |
Aus der Amazon.de-RedaktionAls Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg aus den Albträumen erwachte, die ihm die nationalsozialistische Terrordiktatur bereitet hatte, war das Land ein einziger Trümmerhaufen. Doch auf dessen westlichem Teil blühte bald schon die Demokratie der Bundesrepublik Deutschland. Die Welt war des Lobes voll. Auf die Wiedergeburt der Demokratie folgte das Wirtschaftswachstum, Adenauer verankerte das Land fest in der westlich-demokratischen Werte- und Verteidigungsgemeinschaft und alle waren glücklich. Was aber war aus den ganzen Nazis geworden, die vor 1945 die deutsche Kulturnation in die tiefste Barbarei gestürzt hatten? Alle tot? Oder aus lauter Scham in der Versenkung "verschwunden"? Keineswegs. Viele setzten ihre unter und mit dem Nationalsozialismus begonnene Karriere nach dem Krieg im Dienste der Demokratie fast bruchlos (und nur zu oft ganz ohne Scham) fort. Widerwärtig! In fünf sehr aufschlussreichen Einzeluntersuchungen über Nachkriegskarrieren von Medizinern, Unternehmern, Offizieren, Juristen und Journalisten sowie einer Bilanz des Herausgebers geht der Band der Frage nach, was aus der Elite des "Führers" nach 1945 geworden ist. Eine alles in allem sehr ernüchternde Bilanz, die man heute nur deshalb mit nur mäßigem Grausen lesen kann, weil die verstrichene Zeit dafür gesorgt hat, dass wir diese teils erbärmlichen Gestalten, von denen hier berichtet wird, am Ende doch noch losgeworden sind. Soweit sich dies beurteilen lässt, beruhen die aufschlussreichen Beiträge allesamt auf sorgfältigen Recherchen, sind dabei aber wohltuend ungeschwätzig. Was allerdings leider ausgeblendet bleibt, ist die Frage, was eigentlich aus den Eliten in der anderen Hälfte Deutschlands (oder auch in Österreich) nach dem Krieg geworden ist. Eine sicherlich nicht minder interessante Frage! Further research is necessary. --Andreas Vierecke 3 Kundenrezensionen:Richtig und wichtig 5 von 5 PunktenIch habe mich in meiner Jugend immer gefragt, warum manche der Alteren die komische Redewendung auf hart arbeitende Zeitgenossen verwendeten: "Der arbeitet ja bis zur Vergasung". Später wußte ich es dann und noch später war mir nach Studium dieses und anderer Werke des Autors auch noch klar, wie sehr nach dem Krieg auf Kontinuität gesetzt wurde. Die Masse der Täter wandelte sich schlagartig zu überzeugten Demokraten und deckten sich sodann gegenseitig. Offensichtlich kann man eine Demokratie auch mit Leuten gründen, deren Ausrichtung ganz und gar undemokratisch ist. Begreifen kann ich diese Menschen wie Globke, Kiesinger etc. immer noch nicht, aber die Mechanismen der Macht und des Verbergens echter Überzeugungen lassen mich in Diskussionen nun hellhöriger sein. Lesenswert. Top-Leute Hitlers und ihre Karrieren nach 1945 5 von 5 PunktenDieses 2001 im Campus-Verlag erschienene und in einer ARD-Dokumentationsreihe verfilmte Werk zu Leben, Wirken und Nachkriegskarriere deutscher Eliten unter Hitler ist nun auch als dtv-Taschenbuch erschienen. Wissenschaftlich fundiert UND verständlich, sachlich UND fesselnd verfasste Geschichtsliteratur - gibt es die? Ja! Prof. Dr. Norbert Frei von der Ruhr-Universität Bochum und seinen CoAutoren gelingt dies beeindruckend. Man spürt beim Lesen, dass hier historischer Sachverstand und Schreibkompetenz zusammentreffen. Beispielsweise bei der Schilderung von Unternehmerkarrierien vor und nach 1945 oder Journalisten, die den Vernichtungskrieg propagierten und nach dem Ende des Nationalsozialismus als "Verteidigungskrieg" verharmlosten. So z.B. der NS-Pressesprecher Ribbentrops und SS-Obersturmbannführer Paul Karl Schmidt alias Paul Carell, der noch 1944 Tipps für die propagandistische Rechtfertigung der Deportation und Vernichtung der Juden in Ungarn gab (S.240ff.). Aber auch alle anderen Fallbeispiele sind lesens- und nachdenkenswert. Zwei weitere seien abschließend genannt: Reinhard Gehlen war Hitlers Spionagechef für den Krieg im Osten. Nach dem Krieg baute er den bundesdeutschen Geheimdienst BND auf (S.121f.). Generalfeldmarschall Erich von Manstein, 1949 wegen Kriegsverbrechen zu 18 Jahren Haft verurteilt und Rechtfertiger der Massenerschießungen der SS-Einsatzgruppen in Zusammenarbeit mit der Wehrmacht, stieg nach dem Krieg zum Vorsitzenden des gemeinsamen Verteidigungsausschusses von Bundestag und Bundesrat auf (S.125f.) Das Werk ist unbedingt zu empfehlen! Sachlich, Kompetent, einfach gut 5 von 5 PunktenEndlich wieder mal ein Buch zum Thema, das man lesen kann, ohne das man sich zuviel über die Psyche des Autors Gedanken machen muß. Selbstverständlich wird auch hier genügend Empörung gezeigt gegenüber der Aufarbeitung des dritten Reiches, wie es allgemein üblich ist, aber wenigstens in einem Rahmen, das die Sachlichkeit des Buches nicht darunter leidet. Wie in jedem großem Regime, wie in jeder großen Firma gibt es immer die Kreise der Richtungsgeber, der Intriganten, Karrieristen, der Mitläufer und derer die dabei sind, nur um keinen Schaden zu erleiden oder um "anders" dazustehen. Und wie in jedem großem Regime oder in jeder großen Firma ist es üblich, wenn die Köpfe wechseln, das die Personalstamm bleibt. Es muß ja weitergehen und man "braucht" (voerst) die Masse Fachleute, im guten wie im bösen. Und Verurteilen kann die Geschichte die Menschen später immer noch. Besonders interessant ist es beim Thema Nachkriegszeit. Es wurden Täter gebraucht und "Bauernopfer", aber der Kern des Bürokratismus, der Forschung u.a. wurde weiter benötigt und mußte verschont werden. Dieses Buch legt diese Zeit klar offen, Wer warum verurteilt wurde, Wer warum nicht und es ist von seiner tieferen Bedeutung auf jedes Regime der Welt umzudeuten. Ganz neue Perspektiven ergeben sich über die "Nicht-Aufarbeitung" des dritten Reiches, wie es von der 68er Bewegung immer wieder bis in heutige Zeit kritisiert wurde. Es zeigt sich, alles hat irgendwo einen Grund. |
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Winifred Wagner oder Hitlers Bayreuth von Brigitte HamannTaschenbuch von PiperPreis bei Amazon: EUR 14,95, Angebote ab EUR 8,12 ![]() 5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3492239765, Erscheinungsdatum: März 2008, Auflage: 5 |
Aus der Amazon.de-RedaktionFür ihr Buch über Hitlers Wien ist Brigitte Hamann in den höchsten Tönen gelobt worden. Die frühen Jahre des späteren Diktators als gescheiterter Kunststudent waren bis dahin von niemandem einer derart akribisch recherchierten Untersuchung unterzogen worden. Akribisch recherchiert hat Hamann auch diesmal, wenn auch unter erschwerten Bedingungen. Wenngleich manche Mitglieder der untereinander verfeindeten Zweige der Familie Wagner die Autorin bei ihrer Arbeit unterstützten -- der Zugang zu dem von Amélie Hohmann verwalteten Nachlass Siegfried Wagners und dessen Frau und früher Witwe Winifred blieb ihr verwehrt. Dies mag die Autorin schmerzen, dem Buch ist daraus aber kein spürbarer Mangel erwachsen. Auch diese Arbeit hat höchstes Lob verdient. Herausgekommen ist nicht nur eine brillante Biografie der Hitler-Freundin und Schwiegertochter Richard Wagners. Hier handelt es sich zugleich um einen überaus scharfsichtigen Beitrag zur deutschen Kultur- und Zeitgeschichte, der manchen bislang dunklen Winkel in der Villa Wahnfried taghell ausleuchtet. Am Anfang steht die von Siegfrieds Mutter Cosima eingefädelte Hochzeit der jungen Wagner-Enthusiastin Winifred Marjorie Williams mit dem einzigen Sohn des von ihr über alle Maßen verehrten Komponisten Richard Wagner. Siegfried ist zwar immerhin 28 Jahre älter als die Braut -- und neigt in seiner eigentlichen sexuellen Orientierung dem eigenen Geschlecht zu, kommt aber dank seiner jungen Frau doch noch zu drei Söhnen und einer Tochter: Wieland, Friedelin, Wolfgang und Verena. Trotz des Kindersegens freilich ist die Ehe alles andere als glücklich. Von ihrer Schwiegermutter bevormundet und von ihrem Mann, der sich ohnehin die meiste Zeit auf Konzertreisen befindet, nicht wirklich geliebt, fühlt sich Winifred einsam und verlassen. Mit diesen Umständen bringt Brigitte Hamann die begeisterte Hinwendung der späteren Festspiel-Chefin zu Adolf Hitler in Zusammenhang. Glänzend zeigt Hamann die bizarren Brüche in der Person Winifreds, die auf der einen Seite für die nationalsozialistische Ideologie ihres Führers entflammt, sich auf der anderen Seite aber vehement persönlich für Juden und andere von den Nazis Verfolgte einsetzt. In völliger Verkennung der tatsächlichen Schuld ihres Freundes "Wolf", über den sie mutmaßt, dass er von seinem Leibarzt systematisch um den Verstand gebracht wurde, erklimmt sie in dem legendären Film-Interview mit Hans-Jürgen Syberberg 1975 dann den Gipfel einer irrwitzigen Verblendung und verbleibt dort bis zu ihrem Tod im März 1980. Winifreds beständigen Aufstieg zu diesem Gipfel schildert Brigitte Hamann in diesem Buch, vor dessen Hintergrund auch das Syberberg-Interview in neuem Licht erscheint. --Andreas Vierecke 5 Kundenrezensionen:Großartig recherchiert 5 von 5 PunktenWow, und noch einmal wow. Hamanns akribische Recherche zeigt auch dem historisch fundierten Leser immer wieder neue Aspekte einer unfasslichen Zeit. Der Wahn in Wahnfried macht einen Staunen, erklärt so manche Zusammenhänge, die man sicher in keinem Geschichtsbuch findet, ungemein einfach zu lesende Wissenschaftslektüre, so muss Geschichte präsentiert werden. Chapeau Geschichte der Wagners noch zweiter Hand 5 von 5 PunktenErst jetzt, 5 Jahre nach Erscheinen, komme ich dazu dieses bedeutende Werk zu lesen. Es ist bewundernswert, dass es nichts von seiner Frische eingebüßt hat. Brigitte Hamann gehört zu den wenigen Fachhistorikern, die flüssig schreiben, ohne oberflächlich zu sein. In Anbetracht des Themas, das sie sich gesetzt hat, wäre eine weniger ernsthafte, reißerische Darstellung der Verhältnisse in Bayreuth in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts vom Übel. Auf die den Lebenslauf von Winifred Wagner begleitenden äußeren Umstände, wie die Schwächlichkeit ihres Ehemannes, die in sich zerstrittene Familie, die zeitweilige Armut in Bayreuth, der "Boykott" ausländischer Besucher im Nazireich, die Einwirkung Hitlers auf die wirtschaftliche Gesundung, die Eitelkeiten und Überzeugungen der Mitwirkenden (Toscanini, Furtwängler, Tietjen etc.), die Hahnenkämpfe zwischen Göring und Goebbels, die innere "Denazifizierung" nach 1945, insbesondere wie sich Wieland und Wolfgang neu erfinden, alle werden objektiv geschildert, ohne dass aus Winifred die heroische Figur, als die sich selber gerne gesehen hat, ersteht. Brigitte Hamann lässt sich auch nicht auf musikalische Bewertungen ein, die offensichtlich nicht ihr Fach sind, noch auch versucht sie Winifred psychologisch zu deuten. So publiziert sie ein rundum erfreuliches Ergebnis gründlicher Erforschung externer Indizien und Dokumente, da ihr wesentliche interne Unterlagen nicht zur Verfügung standen. Heutige Besucher des "Hügels", die Politiker, die Geldigen, die musikalischen Snobs, sollten wissen in welche aussermusikalische Tradition sie sich begeben, wenn sie ihre Besuche zelebrieren, die Preise hoch und höher treiben und den wahrhaft ergebenen Kennern der wagnerschen Musik den Weg versperren. Verblendet aber integer! 5 von 5 PunktenKlaus Mann hat für die amerikanische Zeitung "Stars and Stripes" nach dem Ende des zweiten Weltkriegs ganz Deutschland besucht. Unter anderem interviewte er gemeinsam mit Curt Riess Winifred Wagner in ihrem Exil im Fichtelgebirge. Später wird er über diese Begegnung schreiben, dass er in ganz Deutschland keinen einzigen Nationalsozialisten getroffen habe, lediglich eine Engländerin, nämlich Winifred, gab zu, Nationalsozialistin gewesen zu sein. Aus ihrer Gesinnung hat Winifred Wagner auch später keinen Hehl gemacht. Mit der steten Betonung ihrer persönlichen Freundschaft zu Adolf Hitler war sie später "Persona non grata" auf dem grünen Hügel und ihren beiden Söhnen Wieland und Wolf ein Dorn im Fleische. Wer war diese Frau, die noch 1975 in einem vierstündigen Interview mit Syberberg so fest dazu stand, das die Freundschaft mit Adolf Hitler zu dem Besten gehörte, was sie in ihrem Leben erfahren hat? Eine Verwirrte? Mitnichten: Brigitte Hamann vollzieht in ihrer großangelegten Winifred Wagner Biographie das vielschichtige Leben und Denken einer Frau nach, die mit einer großen Portion Willenskraft, persönlichem Engagement und gegen viele Widerstände die Festspielleitung in Bayreuth in sehr jungen Jahren nach dem Tod ihres fast dreißig Jahre älteren Mannes Siegfried Wagner übernahm und durch die Jahre des Nationalsozialismus führte, in strenger Linientreue und doch mit souveränem Geschick. Ihr gelang es, in ihrem Wirkungskreis sehr autark zu schalten und trotz eindeutig nationalsozialistischer Gesinnung menschlich zu bleiben! Winifred Wagner war gebürtige Engländerin und bereits mit zwei Jahren Vollwaise. Infolgedessen kam sie zu entfernten Verwandten nach Berlin, die dem "Inner-Circle" um Cosima Wagner angehörten. 1914 wurde sie in Wahnfried eingeführt und kurze Zeit später bereits die Frau des einzigen Sohnes von Richard und Cosima Wagner. In Wahnfried bestimmten die "Herrin" und ihre Töchter das Geschehen, der sehr viel jüngeren Frau fiel es anfangs schwer, sich einzuleben. Sie sicherte zunächst mit vier Kindern die Nachkommenschaft im Hause Wagner und mit Durchsetzungsvermögen gelang es ihr, sich einen festen Platz im Familien- und Machtgefüge der Wagners zu sichern. Als 1923 Hitler erstmals Wahnfried besuchte, kümmerte sich Winifred mit Hingabe. Daraus erwuchs eine unheilvolle und bedingungslose Gefolgschaft, die freilich im national-antisemitischen Klima Wahnfrieds wunderbar gedeihen konnte. Nach Siegfrieds Tod nimmt Adolf Hitler fast Hausherren-Stellung ein, "Wolf" gehört fortan zur Familie und Winifred nutzt diese Freundschaft, um die Festspielleitung ganz nach ihrem Sinne zu gestalten. Während des zweiten Weltkriegs kühlt die Freundschaft zum "Führer" merklich ab, aber Winifred steht in Treue fest. Sie rückt auch nicht von ihm ab, als klar wurde, welche Greueltaten auf das Konto Hitlers und der Nationalsozialisten gehen, weil das mit "dem Hitler, den ich kenne, nichts zu tun habe". Eine Einstellung, die sie mit beinahe vierzig Jahren Bann durch ihre Familie und die Gesellschaft zu büßen hat. Denn während ihre anfänglich nationalsozialistisch gesinnten Söhne nun eilends versuchen, den Bayreuther Festspielen eine weiße Weste zu verpassen und sich in endlosen Familienkonflikten zerfleischen, wird Winifred auf?s Altenteil geschoben, aus dem sie sich freilich immer wieder mit politisch mehr als fragwürdigen Ansichten zu Wort meldet. Winifred Wagner kann man vieles vorwerfen. Man muss aber auch bedenken, dass sie eine der ganz wenigen Persönlichkeiten war, die im Gegensatz zu vielen anderen, auch ihrer Söhne, die Konsequenzen für ihre politischen Irrtümer hoch erhobenen Hauptes selbst trug. Das ringt bei aller Verständnislosigkeit dem Leser doch auch Respekt ab. Brigitte Hamann, die schon mit ihren fantastischen Habsburger-Biographien Schreibtalent und akribische Spurensuche wunderbar zu verbinden wusste, hat eine gerechte und ausgewogene Biographie über Winifred Wagner geschrieben. Mit Kennerschaft und ohne Anklage hat sie einer höchst umstrittenen Persönlichkeit Gerechtigkeit widerfahren lassen! Sehr lesenswert! Wer war Winifred Wagner? 5 von 5 PunktenWinifred heiratet als 18-jährige den 46-jährigen schwulen Sohn Richard Wagners. Innerhalb von vier Jahren bekommt sie vier Kinder und sichert damit das familiäre Erbe. Winifred erledigte rasch die Korrespondenz ihres Mannes und unterschrieb bereits wenige Monate nach der Hochzeit ihre Briefe und Karten mit "Siegfried Wagner", was im Autographenhandel noch heute für Verwirrung sorgt. 1924, nach dem gescheiterten Putschversuch, herrscht im Hause Wagner - "Wahnfried" - eine fast religiöse Hitler-Verehrung. Am 22. Juli 1924 werden die Festspiele nach neunjähriger Pause wieder aufgenommen, und zu diesem Zeitpunkt besteht eine enge Verflechtung der Wagner-Familie mit Hitler. 1926: Hitler und Winifred duzen sich, sind nun "Winni" und "Wolf", Hitlers Tarnname aus den frühen 20er Jahren. 1929 treffen sie eine Vereinbarung, nach der sich Parteitagstermine nicht mit künftigen Festspielen überschneiden. 1936 lässt "Wolf" anlässlich der Olympischen Spiele "Lohengrin" mit bombastischen Zuschüssen glanzvoll inszenieren. Ende der 30er Jahre: Italien-Urlauber, Nazis, sogar Erzieherinnen aus Bulgarien kommen an Karten für die Festspiele, für die man heute, wenn man sie hat, im Internet 2000 Euro verlangen kann. Während der Kriegsfestspiele von 1940 gibt es kein "Publikum". "Kraft durch Freude", Abt. "Reisen und Wandern", das sind Verwundete mit ihrem Pflegepersonal und Rüstungsarbeiter, die Wagners Musik als "seelische Erhebung" erleben sollen. Am 59. Todestag Wagner, dem 14.02.1942, meldet sich Friedelind aus der New Yorker Met, lobt den Geist ihres Großvaters, der niemals gemeinsame Sache gemacht hätte mit dem Zerstörer aller Freiheit und Gerechtigkeit in Deutschland. Damit hat sie vermutlich recht. Nach dem Krieg wird Wagner gewissermaßen zum posthumen Mitgliedder NSAP erklärt. Winifreds Auffassung von Geschichte aber bleibt dem "Normalverhalten" der Deutschen diametral entgegen gesetzt. Auf einmal sind alle angebliche Hitler-Gegner. Winifred aber behauptet, dass ihre Beziehung zu Hitler länger anhielt und intensiver war, als es die historischen Quellen belegen. Die Autorin präsentiert ein historisches Fachbuch, das auch Nicht-Historiker lesen können. Manchmal hat man den Eindruck, als ergreife sie zu sehr Partei für Winifred, sicher nicht absichtlich. Der Leser soll sich sein eigenes Urteil über diese eigenartige Frau bilden. Dieses Buch ist nur eine Quelle von vielen. Man sollte aber auch andere Sichtweisen nicht unberücksichtigt lassen, z. B. Friedelinds "The Royal Family of Bayreuth" oder das schreckliche "Adolf Hitler aus dem Erleben dargestellt" von Hans Severus Ziegler, das Winifred so gern verschenkte. Ambivalente Persönlichkeit 4 von 5 PunktenWie sie im Vorwort freimütig gesteht, konnte Brigitte Hamann in früheren Zeiten mit der Person Winifred Wagners gar nichts anfangen, so sehr war das Bild der alten Dame von Syberbergs Film geprägt, in dem diese sich als unbelehrbare Nationalsozialistin darstellte. Aufzuzeigen, dass die Sache nicht so einfach ist und man Historie differenzierter sehen muss, ist das Verdienst dieses Buches. In "Winifred Wagner - Hitlers Bayreuth" wird Winifred Wagners Biographie mit dem politischen Aufstieg (und Fall) Adolf Hitlers verknüpft. Mit dem "Führer" verband Frau Wagner bekanntlich eine innige Freundschaft, die sie ihr ganzes Leben verteidigte. Auf geradezu schizophrene Art trennte Winifred Wagner den Menschen Hitler, der sich in Wahnfried bei der Familie Wagner stets wie zu Hause fühlte, von den (Un-)Taten der Nazibewegung, für die sie alle anderen verantwortlich machte. Angewidert von all den vielen Wendehälsen nach 1945, hielt sie es für einen Akt der Zivilcourage, an ihrer Meinung festzuhalten, wegen der sie bis in die Siebziger Jahre eine umstrittene Persönlichkeit blieb. Hamanns Buch zeigt viele Facetten von Winifred Wagners Lebensweg: das national-völkische Umfeld, in das sie hineinheiratete, das Leben der Zivilbevölkerung in den 1920er bis 1940er-Jahren, das Kriegselend, die immerwährenden Streitigkeiten innerhalb der Familie, den seltsamen Weg ihres Sohnes Wieland vom Günstling Hitlers zum renommierten Vorläufer des "linken" Regietheaters. Brigitte Hamann belässt in ihrer beeindruckenden Biographie die Ambivalenz, die die Person Winifred Wagners im unvoreingenommenen Leser auslöst. Das Buch ist penibel recherchiert und basiert zu einem großen Teil auf Winifred Wagners Briefwechsel, wenn auch die Wagnernachkommen den Zugang zu Winifreds Nachlass verhindert haben. Die Fülle an Daten (fast 30 Seiten Quellenangaben) bedingt aber auch einen Umfang des Buches, der die gute Lesbarkeit des Textes wieder etwas entwertet; man muss da schon ganz viel Interesse an der Sache haben, um die Aufmerksamkeit aufrecht zu halten. Dennoch: Brigitte Hamanns Biographie über Winifred Wagner ist ein professionell gemachtes, flüssig geschriebenes Buch, dessen Objektivität deutlich macht, dass Zeitgeschichte nicht in Schwarz-Weiß-Kategorien aufzuarbeiten ist. |
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Nacht über Bayreuth: Die Geschichte der Enkelin Richard Wagners von Friedelind WagnerTaschenbuch von List Tb.Preis bei Amazon: EUR 8,95, Angebote ab EUR 4,48 ![]() 5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3548601952, Erscheinungsdatum: Oktober 2001, Auflage: 2. A. |
4 Kundenrezensionen:Nacht über Bayreuth 4 von 5 PunktenDas Buch ist sehr interessant, ich habe es regelrecht verschlungen. Friedelind Wagner steht als eine der wenigen Familienmitglieder dem Nationalsozialismus kritisch gegenüber, wandert sogar aus. Ihr musikalisches Talent bleibt (in der Familie und in Deutschland)unbeachtet, man tut gerdezu so, als habe es sie nicht gegeben. Verleugnung, das können die Wagners. Alerdings ist Friedelind, sosehr sie auch ihre Mutter Winifred wegen ihrer engen Bindung zu Hitler verteufelt, recht unkritisch ihrem Vater Siegfried gegenüber. Seine Verwicklungen mit dem Nationalsozialismus verneint sie, die Homosexualität wird gar nicht zur Sprache gebracht. Ansonsten bietet die Familie Wagner alles und mehr, was man für eine Familiesaga oder Soap braucht: Sex and Crime, Liebe, Hass, Macht und Geld, Intrigen ... ach ja, und Musik soll auch eine Rolle spielen. Friedelind, das "schwarze Schaf", die Verstossene, das "Gewissen der Familie, würde man vielleicht heute meinen. Die Familie Wagner täte gut daran sie wenigstens posthum zu würdigen und die eigene NS-Geschichte öffentlich aufzuarbeiten. Es bleibt sonst für den Musikinteressierten Wagnerianer ein arg schlechter Beigeschmack. Super !!! 5 von 5 PunktenDies Buch ließt sich wie ein Krimi. Es ist unglaublich wie toll die Geschichte der Familie Wagner beschrieben wird. Dieses Buch ist sehr zu empfehlen. Nacht über Bayreuth 5 von 5 PunktenDas Buch liest sich leicht und ergreifend. Man stellt sich vor am Tisch im Eßzimmer der Reichskanzlei bei Hitler am Tisch zu sitzen oder in der Villa Wahnfried neben Cosima zu horchen wie Sie ihren letzten Tage mit ihrer Enkeltochter verbringt. Eine hervorragende Erzählung.Nacht über BayreuthNacht über Bayreuth: Die Geschichte der Enkelin Richard WagnersNacht über Bayreuth. Die Geschichte der Enkelin Richard Wagners. Die schohnungslose Wahrheit! 5 von 5 PunktenFriedelind Wagner die verstoßene Tochter Winifred Wagners. Friedelind hatte es nie leicht. Von ihrer Mutter nicht anerkannt, klammerte sie sich an ihren Vater Siegfried, den sie über alles liebte. Sie war seine Lieblingstochter. In ihrem Buch "Nacht über Bayreuth" (Englischer Originaltitel: "Heritage of Fire") rechnet Friedelind mit ihrer ganzen Familiensituation ab. Sie erzählt über Winifred und Hitler. Berichtet über ihre Eindrücke beim Besuch des "Onkel Wolfs". Dargestellt wird auch das Festspieltreiben auf dem grünen Hügel im Dritten Reich unter der Führung ihrer Mutter, mit den darausfolgenden Intrigen gegenüber Sängern, Dirigenten usw. Außerdem wird dem Leser die Situation zwischen den vier Geschwistern Wieland, Friedelind, Wolfgang und Verena gezeigt, die nie ganz einwandfrei war. Friedelind berichtet auch über ihre Flucht mit Hilfe ihres Freundes Toscanini aus dem Nazideutschland. Dies ist die Autobiographie einer aufrichtigen Dame, die es in ihrer Jugend nicht einfach hatte, aber daraus für ihre Zukunft sehr viel Kraft schöpfte. Ein Werk, daß ich jeden ans Herz legen möchte, der sich einmal kritisch und objektiv mit der Familie Wagner auseinandersetzen möchte. |
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Quentin Tarantino gegen die Nazis: Alles über INGLOURIOUS BASTERDS von Georg SeeßlenBroschiert von Bertz + FischerPreis bei Amazon: EUR 14,90 ![]() 4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3865057020, Erscheinungsdatum: Juli 2010, Auflage: 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. |
5 Kundenrezensionen:Wie im Film: eine unendliche Liste an Referenzsystemen 4 von 5 PunktenIch schreibe meine Magisterarbeit über "Inglourious Basterds" und bin Seeßlen für dieses Büchlein sehr dankbar. Zwar kann ich schon verstehen, dass es für den Filmfreak etwas langweilig zu lesen ist, aber für mich war es sehr hilfreich. Warum? Seeßlen listet tatsächlich nahezu alle im Film genannten Referenzen auf und das ist eine SEHR lange Liste. Wer sind die im "Identität"-Spiel genannten Personen? Auf welche Westernklassiker und Trashfilme spielt Tarantino mit verschiedenen Einstellungen an? Und vor allem all die kleinen eingestreuten Filmzitate à la Katzenjammer Kids, Selznick etc. Nicht zu vergessen "Die weiße Hölle vom Piz Palü" mit Leni Riefenstahl und was es eigentlich damit auf sich hat. Also ja, das Buch enthüllt viele Hintergründe, aber nicht in dem Sinne, dass es in eine genauere Figurenanalyse einsteigt oder den Film auf eine Weise "erklärt" die man vorher nicht verstanden hatte. Sein Verdienst liegt vielmehr darin, aufzuzeigen, welches Ziel Tarantino eigentlich mit Inglourious Basterds verfolgt: die Nazis endlich auch auf der Leinwand sterben zu lassen indem er die illusorische Allmacht des Kinos demonstriert. Und das hat Seeßlen sehr schön verständlich herausgearbeitet und mit vielen Illustrationen unterstützt. Einen Punkt Abzug gibt es für die Kapiteleinteilung: Seeßlen orientiert sich hier am Drehbuch, was zu vielen inhaltlichen Sprüngen führt, anstatt thematisch vorzugehen. Außerdem ist die Literaturliste wesentlich zu kurz geraten. Alles über Inglourious Basterds (?) 4 von 5 PunktenGeorg Seeßlen, einer der am meisten beachteten Filmpublizisten Deutschlands, liefert mit "Quentin Tarantino gegen die Nazis - Alles über Inglourious Basterds" ein beachtliches erstes Werk in deutscher Sprache, das sich mit dem vielleicht kontroversesten Film des Jahres beschäftigt. Das Buch thematisiert vor allem die (filmischen) Kontexte, in denen sich Tarantinos Kriegsfilm bewegt. So wird zuerst das "Bastard-Kino" allgemein erläutert, angefangen bei der Bedeutung des Wortes "Bastard", bis hin zu Anleihen aus Western, B-Movies, asiatischen Trash-Filmen sowie früheren Werken von Tarantino. Erst im zweiten Kapitel "A Lot of Plot" bezieht sich Seeßlen explizit auf "Inglourious Basterds". Hier wird der Aufbau der Geschichte im Detail aufgezeigt und analysiert, außerdem sind Handlungsstränge des Drehbuchs integriert, die in der endgültigen Version des Films herausgefallen sind. Das dritte Kapitel ("Auflösung der Frontlinien") untersucht den Film in Hinsicht auf amerikanische ("dirty war movies") und italienische ("Italo-Trash") Kriegsfilme und zeigt deutliche Parallelen sowie gravierende Abgrenzungen zu diesen Kriegs-Genres. Das vierte und letzte Kapitel "Mr. Tarantinos Kriegserklärung" befasst sich mit der Repräsentation des großen Finales von "Inglourious Basterds". Die Bedeutung der großen Rachephantasie gegen die Nazis innerhalb des Kinos wird hier mit verblüffender Deutlichkeit herausgestellt. Oftmals werden enttäuschte Stimmen laut, die sich unter dem Titel "ALLES über Inglourious Basterds" mehr vorgestellt haben. Diese Vorstellung, einer umfassenden, exhaustiven Filmanalyse ist allerdings völlig übertrieben, wenn man die schnelle Erscheinung des Buches und seinen Umfang in Betracht zieht. Das Buch stellt einen äußerst weitsichtigen Einstieg in das Thema dar und wird die ohnehin schon bestehende Diskussion über diesen Film noch mehr anheizen. Wem das alles nicht genug über den Film ist, dem sei gesagt, dass das Buch den ersten Teil einer geplanten Reihe zum Film darstellt (QT gegen die Nazis - Kleine Schriften zum Film). Das Buch ist sehr zu empfehlen, sofern man akzeptiert, dass Seeßlen einen weiten Blick über den Tellerrand von "Inglourious Basterds" wirft. Dann jedoch gibt es in diesem Buch sehr viel zu entdecken, das das eigene Filmwissen bereichern kann. Klasse Buch 5 von 5 PunktenDas Buch habe ich mir vor einiger Zeit bei Amazon bestellt und war sehr positiv davon Überrascht. In dem Buch wird deutlich gezeigt wie der Film "INGLOURIOUS BASTERDS" aus unterschiedlichen Filmen entstanden ist. Sehr informativ und gut geschieldert. Ich gebe dem Buch die volle Bewertung. Eher enttäuschend 2 von 5 PunktenIch hatte mir mehr von dem Buch erhofft. In dem Film gibts, wie in jedem Tarantino so viele verstecke Details auf die hier aber kaum bis garnicht eingegangen wird. Stattdessen wird lang und breit der "Bastard-Film" ansich und die Entstehung des Wortes erläutert, der ganze Film grob nacherzählt und viel zu ausführlich auf ältere Kriegsfilme eingegangen, um evl Parallelen aufzugreifen. Vielleicht für den einen oder anderen auch interessant, aber ich hätte mir eher eine Interpretation des Films erhofft. Schade. Tarantino vs. Nazis by Seeßlen 4 von 5 PunktenDer Untertitel »Alles über Inglourious Basterds« ist irgendwie trashig und verweist schon mal darauf, was das 176-seitige Bändchen nicht sein will: Es ist keine wissenschaftliche Abhandlung über Tarantino. Und so beginnt das erste Kapitel auch recht essayistisch und etwas sperrig. Seeßlen prägt für die Tarantino-Filme den Begriff des »Bastard-Kinos«, welcher vor allem Tarantinos Verhältnis zu seinen Kinovorbildern beschreibt. Aufgewachsen in der unteren Mittelschicht, mit zwei Jahren von einer Halbblut-Mutter allein großgezogen, verbrachte der nach einer Figur aus »Rauchende Colts« benannte Teenager seine Kindheit mit europäischen und asiatischen Trashfilmen. Dies sind aber laut Seeßlen nicht die filmischen Vorbilder, denen Tarantino unhinterfragten Respekt zolle, sondern diesen B-Movies stehe der Kultregisseur in einer Mischung aus »Missachtung und Sehnsucht« gegenüber und zitiere sie obsessiv und in maßloser Übertreibung. Im vorletzten Kapitel dann, für mich das stärkste, beschreibt Seeßlen ausführlich Tarantinos Vorbilder: Seeßlen sieht die Wurzeln von Tarantinos neuestem Film in den amerikanischen »Dirty war movies« einerseits und im italienischen Trashfilm andererseits. Im Gegensatz zu den Propagandafilmen des Pentagon und den patriotischen, sauberen Kriegsfilmen, in denen die Ordnung am Ende wieder hergestellt ist, charakterisiert Seeßlen die »Dirty war movies« als Filme, in denen ein paar wilde und unmoralische Kerle in einen sinnlosen Krieg geschickt werden. Paradebeispiel: DAS DRECKIGE DUTZEND von Robert Aldrich. In diesen Filmen erscheint alles fragwürdig: die Protagonisten und der Krieg. Den moralisch sauberen Helden gibt es nicht mehr. Die Italo-Trashfilme, so Seeßlen, beziehen sich nicht ausschließlich auf die amerikanischen »Dirty war movies«, sondern auch auf die neorealistischen Filme. Diese wären von den deutschen und den amerikanischen Kriegsfilmen folgendermaßen abzugrenzen: Der Krieg verursacht hier ein solches Chaos, dass es zu einer »Auflösung der Fronten« komme. Gute und Böse seien, angesichts eines kriminellen Partisanen (DER BUCKLIGE VON ROM, Carlo Lizzani, 1960) oder einer Kapo-Jüdin (KAPÒ, Cillo Pontecorvos, 1961) nicht mehr klar trennbar. Ab 1967, so Seeßlen, explodierte der italienische Kriegs-Trashfilm, teilweise in europäischer Co-Produktion (auch mit deutscher Beteiligung!): Das war eine wilde Mixtur aus Abenteuer-, Kriegsfilm und Gangstergeschichte, in der der 2. Weltkrieg nur noch Background war. Meistens ging es um eine abenteuerliche Mission hinter der Frontlinie. Und wie das beim Exploitation-Kino so ist: Wenn er sein Publikum irgendwann nicht mehr findet, transformiert er sich und mengt neue, verwertbare Stoffe bei, wie die Vietnam-und Söldner-Thematik, [»die jedem aufrechten, liberalen Kritiker die Galle überlaufen ließen, [weil] so randvoll mit Sexismus, Rassismus, Militarismus und Gewalt«]. Im Kapitel »A Lot of Plot« erzählt Seeßlen auf 60 Seiten den Film nach und analysiert ihn mal überzeugend, mal weniger, mal ist es einfach und einleuchtend, mal sind die Verweise relativ komplex. So findet Seeßlen zig Verweise auf die Historie, auf das italiensche Exploitation-Kino, auf den Italo-Western, auf Ami-Western, auf Nazi-Filme, auf Schauspieler, auf die Geschichte des Hollywood-Kinos. Außerdem analysiert er auch geschnittene Szenen, die abhebend grau gedruckt wurden. Das liest sich alles sehr interessant und mag auch irgendwie stimmen, nur wissenschaftlichen Kriterien hält das natürlich nicht stand, da keinerlei Quellen benannt werden und keinerlei Reflektion über das Quellenmaterial stattfindet. Dafür wird das ganze natürlich umso unterhaltsamer. Ärgerlich ist für mich persönlich das letzte Kapitel: Dort geht es um das Wesen des Nationalsozialismus und um Tarantinos Filmende: Die Nazis samt Hitler und Goebbels sterben im Kino. Das ist ein schwierig zu lesendes Resümee ungeordneter, wenn auch nicht unkluger, Gedankengänge. Seeßlen ringt damit, dass sich Tarantino über die wirkliche Geschichte »rüpelhaft« hinwegsetzt. Und stellt sich die Frage: Was mag dies im Zusammenhang hinsichtlich der Nationalsozialismus-Debatte bedeuten. Er sieht in der Figur des Hans Landa einen neuen Diskurs über das Wesen des Nationalsozialismus eröffnet, da mit ihr der aristokratische Bürgerliche nicht nur eine das System unterstützende Funktion erhält, sondern zu einem wesentlichen Drahtzieher wird. Im Gegensatz zu den anderen Nazis ist er keiner Ideologie verfallen, sondern verfügt lediglich über keinerlei moralische Grundsätze, egal in welchem System er operiert. Zusätzlich geht es in dem letzten Kapitel auch um den Umgang mit nationalsozialistischer Symbolik, die viele Filme (z. B. Fassbinders LILI MARLEEN, 1981) wiederholen und ihr damit erliegen, während Tarantino sich dieser enthält. Die Gedanken, die Seeßlen in diesem Kapitel äußert, sind generell nicht neu und wurden schon häufig diskutiert. Wie auch immer: Ich will dieser Debatte im Zusammenhang mit INGLOURIOUS BASTERDS überhaupt nicht folgen und ich finde sie auch unangebracht, insbesondere nach einem Kapitel, das zig Genrereferenzen aufzählt. Dieser Film ist ein reiner Genre-Film, eine Revenge-Story à la Tarantino; kein wissenschaftlicher Beitrag zur Nationalsozialismus-Debatte. Deshalb verstehe ich nicht, warum Seeßlen nach 138 überzeugenden Seiten diesen Versuch startet, nachdem er Tarantino als Genre-Zitaten-König der Superlative beschrieben hat. Trotzdem ein sehr interessantes Buch, welches vor allem auch deshalb zu würdigen ist, weil es der erste ausführliche Beitrag zu INGLOURIOUS BASTERDS ist. |
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Erfundene Erinnerung. Weltkrieg und Judenmord in Film und Theater von Peter ReichelGebundene Ausgabe von HanserPreis bei Amazon: EUR 8,99, Angebote ab EUR 5,49 ISBN: 3446204814, Erscheinungsdatum: 2004, Auflage: 1 |
Aus der Amazon.de-RedaktionDie Zeit ist nicht mehr fern, da die Herrschaft und Barbarei des Nationalsozialismus nicht mehr authentisch wird erinnert werden können. Was uns gegen das Vergessen bleibt, sind die Zeugnisse, die uns Zeitzeugen hinterlassen haben. Darunter wichtige erfundene Erinnerungen wie Spielfilme und Theaterstücke, die uns nicht nur immer wieder die Grauen des Bösen und des Krieges vor Augen führen, sondern uns auch die Gesellschaft erklären, die auf dem Schutt des tausendjährigen Reiches entstand. Der Hamburger Politikwissenschaftler Peter Reichel hat wichtige Theaterstücke und vor allem Filme systematisch nach ihren Kernthemen kategorisiert und analysiert in zwölf Kapiteln, wie man sich nach dem Krieg auf Bühne und Leinwand mit der allerjüngsten Vergangenheit, der unmittelbaren Gegenwart und der vor diesem düsteren Hintergrund nur schwer zu gewinnenden Zukunft auseinander gesetzt hat: In Stücken wie Rolf Hochhuths Der Stellverteter, Filmen wie Die letzte Brücke von Helmut Käutner und Der 20. Juli von Falk Harnack oder dem großen Filmepos Heimat, mit dem Edgar Reitz, wie er selbst einmal gesagt hat, "Menschen gegen Systeme, Geschichten gegen Geschichte, das "Unwichtige" gegen das "Wichtige" verteidigt hat. Nach seiner zu Recht hoch gelobten Arbeit über die Politik der Erinnerung gebührt Peter Reichel für Erfundene Erinnerung ein weiteres Mal aufrichtiger Dank, nicht nur für einen, wie man so sagt, "wichtigen" Beitrag zur politischen Kulturgeschichte, sondern auch für ein ebenso sorgfältig recherchiertes wie glänzend geschriebenes Buch. --Andreas Vierecke |
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Die Berliner Olympiade von 1936 und ihre Außenwirkung: Weltereignis oder Propagandaveranstaltung ? von Stephanie GüntherBroschiert von GRIN VerlagPreis bei Amazon: EUR 13,99 ISBN: 3638673871, Erscheinungsdatum: Juli 2007, Auflage: 1 |
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Swing Tanzen Verboten, Vol. 1 - Unerwünschte Musik 1929-1945. 4 CD-SetAudio CD von Grosser & SteinPreis bei Amazon: EUR 13,99, Angebote ab EUR 5,00 ![]() 5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3937730060, Erscheinungsdatum: Januar 2004, Auflage: 1 |
Eine Kundenrezension:viel Spaß 5 von 5 Punktenhabe gleich Vol 1 und 2 gekauft und habe viel Spaß bei der Reise in die Vergangenheit |
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Berlin unterm Hakenkreuz von Sven Felix KellerhoffBroschiert von berlin edition im be.bra verlagPreis bei Amazon: EUR 9,90, Angebote ab EUR 5,90 ![]() 5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3814801474, Erscheinungsdatum: Februar 2006, Auflage: 1., Aufl. |
Eine Kundenrezension:Wichtige Quelle zur Architekturgeschichte Berlins von 1933-1945 5 von 5 PunktenNeben den bereits erschienen Büchern "Berlin 1933-1934" und "Architektur in Berlin 1933-1945" ist das interessante Buch "Berlin unterm Hakenkreuz" eine wertvolle Ergänzung. Bemerkungswert sind die seltenen, teilweise bislang unveröffentlichen Fotografien und eine Liste der wichtigsten Dienst-Gebäude, welche in der Zeit des Dritten Reiches in der Hauptstadt entstanden. |
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"Wer nicht mit dem Wolf heult": Autobiographische Aufzeichnungen eines Wagner-Urenkels von Gottfried WagnerBroschiert von Kiepenheuer & WitschPreis bei Amazon: EUR 9,95, Angebote ab EUR 5,50 ![]() 4,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3462042254, Erscheinungsdatum: April 2010, Auflage: 1., Auflage |
3 Kundenrezensionen:Um Aufklärung bemüht! 4 von 5 PunktenDie Kindheit am Hügel war quälend: Nach dem Ende der Nazizeit, in die die Wagners ja - gelinde gesagt - verstrickt waren, mussten die Festspiele nicht nur neu installiert werden: Es galt gar, sich komplett neu zu erfinden. Gottfried, der Sohn Wolfgang Wagners aus seiner ersten Ehe, litt in seinen Kindheits- und Jugendjahren unter dem dauernden Bruderzwist zwischen Wieland und Wolfgang, den elterlichen Streitigkeiten mit der Großmutter Winifred, zu deren Domizil auf dem grünen Hügel eine hohe Mauer errichtet wurde, um sich weithin sichtbar von ihrem Einfluss zu distanzieren. Auch die Ehe der Eltern war so zerrüttet, dass die Kinder die Kälte und Disharmonie deutlich zu spüren bekamen. Und dann galt es noch, eine Einstellung zum eben schweren Erbe eines Musikgenies und einer unrühmlichen Festspielvergangenheit zu finden. Für den Wagner-Urenkel eine schwere Hypothek! Und doch verschafft er sich Gehör, macht sich unbeliebt und wird als Nestbeschmutzer abgelehnt. War es doch Gottfried, der den Kontakt zum Filmregisseur Syberberg herstellte und seine Großmutter überredete, den verhängnisvollen Film zu drehen, in dem sie noch immer ihre alte Hitler-Freundschaft verteidigte. Danach war die Stimmung im Elternhaus, in dem nach Wielands plötzlichem Tod sein Vater allein Festspielverantwortlicher wurde, so vergiftet, das er sich in der Folge nach Amerika absetzt. Dort sammelt er eigene musikalische Meriten, arbeitet mit Lotte Lenya zusammen und emanzipiert sich endgültig von seiner Familie. Gottfried Wagner scheut keinen Konflikt und gibt sehr offen Zeugnis von den Verstrickungen der Familie. Auch wenn man ihm deutlich die eigenen Verletzungen anmerkt, bemüht er sich um eine faire Darstellung. Als Ergänzung zu den Biographien Brigitte Hamanns über Winifred Wagner und der just erschienenen über Gottfried Wagners Urgroßmutter Cosima von Oliver Hilmes ist dies eine familiäre Bestandaufnahme der jüngeren Generation. Da die Informationen aus erster Hand sind und Gottfried Wagner zu schreiben versteht: Durchaus empfehlenswert! Lobenswertes Wagner-Korrektiv aus intimer Sicht des Urenkels 5 von 5 PunktenRichard Wagners Antisemitismus setzte sich bis zu Hitler hin fort, der von Gottfrieds Großmutter Winifred liebevoll ?Wolf? genannt wurde und am Festspielhügel ein und aus ging. Winifred schickte Hitler bereits in ihrer Bewunderung das Papier zum Schreiben von ?Mein Kampf? in die Festung Landsberg, und auch noch lange nach dem Ende des 2. Weltkriegs hielt sie mit ihrer pro-nazistischen Meinung nie hinterm Berg. Die beiden Söhne, der genialere Wieland, der ihr in der Festspielleitung nachfolgte, aber früh starb, sowie der Vater Gottfrieds und aktuelle Festspielleiter Wolfgang Wagner waren dermaßen stark verfeindet, dass die Kinder beider Familien nicht einmal miteinander spielen durften. Darunter ? wie auch insgesamt am romantischen Wagner-Bild und der Weigerung der Familie, sich mit der nazistischen Vergangenheit auseinanderzusetzen, litt Gottfried Wagner, Jahrgang 1947, bereits seit frühester Kindheit, wie er ausführlich in dem autobiografischen Buch ?Wer nicht mit dem Wolf heult? schildert, das 1997 wie eine Bombe einschlug und eine Fülle an Rezensionen im In- und Ausland nach sich zog. Es stellt gewissermaßen den Höhepunkt in der Auseinandersetzung des aufklärerischen Sohnes mit seinem der alten Wagner-Idee verhafteten Vater dar. Der Autor hat sich mühsam seinen Weg bahnen müssen gegen die weit reichende Einflusssphäre seines den Wagner-Clan dominierenden Vaters. Er ist inzwischen Musikhistoriker, Multimediaregisseur und Publizist und promovierte bewusst nicht über die Musik Wagners, sondern lieber über Brecht und Weill als vom Nazi-Regime Verfolgte. Diesen Weg der Beschäftigung mit den Auswirkungen von Wagners Antisemitismus wie auch des Holocausts verfolgte er konsequent trotz aller Widerstände weiter und gründete im Anschluß an eine Vortragsreise in Israel schließlich als Angehöriger der Täter in zweiter Generation zusammen mit Opferangehörigen der Naziverbrechen, insbesondere mit Abraham Peck die ?Post-Holocaust-Dialog-Gruppe?. Wagner und Peck werden das Ergebnis ihres Dialogs als Buch ?Unsere Stunde Null? herausbringen. "Wer nicht mit dem Wolf heult" liest sich gut und stellt ein informatives und sehr wichtiges Korrektiv zur Wirkungsgeschichte Wagners aus (natürlich) persönlicher Betroffenheit dar. Es ist lobenswert, mit welchem menschlichen und intellektuellen Einsatz dieser Urenkel Wagners sich um die Aufarbeitung seines zwielichtigen Familienerbes müht und den Täter-Opfer-Dialog fruchtbar voranzubringen versucht. (7.11.05) sehr lesenswert - aber nicht neu ! 4 von 5 PunktenAus heutiger Sicht, 2006, ist das, was Gottfried Wagner zum zentralen Thema seines Buches gemacht hat, die Verbindung der Wagners mit Hitler, nicht neu. Die Historikerin Brigitte Hamann hat darüber 2002 ein ganz vorzügliches Buch geschrieben. Die Kindheit von Gottfried Wagner, immer im Schatten der Festspiele und des langwierigen Familienzwistes, war alles andere als angenehm. Das konnten sich die meisten wahrscheinlich auch schon vorher vorstellen (zumindest jeder, der nur ein klein wenig über die Familie Wagner bescheid weiß). Das Buch liest sich sehr kurzweilig, als Ergänzung zum oben erwähnten Buch von Brigitte Hamann ist es zu empfehlen. |
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Klassische Schullektüre, Die Weber: Schauspiel aus den vierziger Jahren von Gerhart HauptmannTaschenbuch von CornelsenPreis bei Amazon: EUR 5,95, Angebote ab EUR 1,20 ![]() 4 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) ISBN: 3464121224, Erscheinungsdatum: Dezember 1996 |
2 Kundenrezensionen:"Es gibt nichts so Grauenvolles wie die Fremdheit derer, die sich kennen." ( Hauptmann) 5 von 5 PunktenOhne dass Helden eine Handlung in Gang setzen, entwickelt sich aus einer Folge von Zustandsschilderungen nicht bloß das Elend der schlesischen Weber, sondern es treibt dieses Elend wie von selbst in die dramatische Handlung, die den Weberaufständen des Jahres 1844 nachgebildet ist. Die Ubiquität des Geschehens, das in Kaschbach, Peterswaldau und Langenbielau abläuft, wird durch das Kaleidoskop kurzer Szenen hergestellt, das Hauptmann jedoch nicht zerstückelt, vielmehr seine Facetten bündig zusammenführt. Gesichter tauchen auf und verschwinden. Es ist nicht mehr der Held, der handelt, sondern die Menge, die zuerst den Platz, dann die Handlung beherrscht. Hier ist der Boden eines wirklichen Dramas gefunden, das die Nöte und Interessen von Arbeitern diese selbst aussprechen ließ. Keine dramatische Stellvertreter handeln für sie, sondern sie sind es selbst, die ihr Leben in die Hand nehmen. Nachhilfestunde 3 von 5 PunktenNun habe ich mir versehentlich die Schulausgabe von Hauptmanns Klassiker "Die Weber" bestellt, was angesichts der zusätzlichen Erläuterungen einen zu verschmerzenden Irrtum darstellt. Manche mögen es bedauerlich finden, daß die klassische deutsche Literatur, wie im vorliegenden Fall, primär im Rahmen schulischer Zwänge aufgenommen wird. Im Falle Hauptmann, der sicherlich ein progressiver, ambitionierter und durchaus wegbereitender Author seiner Zeit war, wird dem Leser aber schnell klar, warum dies so ist: Politische Kunst ist ein flüchtiges Gut und verliert seine Relevanz gelegentlich in beängstigender Geschwindigkeit. Die Thematik der Weberaufstände in Schlesien, seinerzeit totgeschwiegen durch Bürgertum und Obrigkeit scheint einer anderen Welt zu entspringen, ihr Studium allenfalls Wirtschaftsinteressierten anzuraten. Die schlesischen Sprachfärbungen machen die Lektüre zudem auch nicht eben einfacher. Bei aller Kritik gibt es dann aber doch einen Grund, warum sich das Studium Hauptmanns und seiner Zeitgenossen lohnt: Angesicht fortschreitender Globalisierung und zunehmender Sophisterei im Wirtschaftsalltag, könnte es nicht schaden, wenn sich der Kapitalismus gelegentlich mit seiner Geschichte und seinen Fehlformen auseinandersetzen würde, in der Absicht ähnliche gesellschaftliche Desaster für alle Zukunft zu vermeiden. |
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